„Meine Messer sehen die Welt“
 
Im pittoresken Städtchen Montemerano in der Toskana fertigt der brillante Messerschmied Lucio Stefani Werkzeuge für Stars und internationale Küchenchefs
 
Lucio Stefani hat eine kleine gescheckte Katze, die farblich perfekt zu seinem Handwerk passt: schwarz wie Kohle, rot wie Eisen und weiß wie Glut – eine Schmiedekatze. Er hat auch zwei Hunde, die beim gröbsten Gehämmer gelassen in der Werkstatt herumliegen, fünf Hühner im Garten hinter seinem Haus und eine Kröte im Brunnen vor der Schmiede, die, wenn er den Wasserhahn aufdreht, aus ihrer Röhre schaut und sich mit einem Finger den Kopf kraulen lässt.
 
Die Menagerie steht in keinem Zusammenhang mit Lucio Stefanis Tätigkeit, aber sie beschreibt die Nonchalance, den Humor und die Bodenständigkeit des 53jährigen, der eigentlich gar nicht wie ein Mann aussieht, der an Esse und Amboss hantiert: weder Pranken noch Mordsschultern, eher mittelgroß, Geheimratsecken in den dunklen Locken, ein lustiges Gesicht. Kein Lederschurz sondern Jeans und T-Shirt. In seiner Freizeit spielt er Saxofon und Mundharmonika in einer Jazzband. Außerdem ist Lucio Stefani aus Montemerano einer von Italiens genialsten Kunstschmieden.
 
„Ich habe nichts von der Welt gesehen“, sagt er, „aber meine Messer sehen die Welt.“ Er schmiedet Werkzeuge für Küchenchefs in Tokio, Singapur, Paris, St. Petersburg und New York, für das Spitzenrestaurant der Brüder Alajmo in Padua, für Massimo Botturas legendäre Osteria da Francescana in Modena, aber auch für die unbesternte Trattoria seines Nachbarn Tiziano Giovanni, der mit Stefanis Stahl das enorme, köstliche Fleischgebirge der Bistecca Fiorentina – des toskanischen T-Bone-Steaks – teilt.
 
Wer ein Stefani-Messer kaufen will, muss nach Montemerano kommen, eine kleine mittelalterliche Stadt auf einem toskanischen Hügel mit schmalen Gassen, feldsteingrauen Fassaden und einer Kirche aus dem zwölften Jahrhundert. Die Idee eines Geschäftspartners, in einer größeren Stadt einen Showroom zu eröffnen, hat er verworfen. Wer soll da Auskunft geben? Ein der Messerschmiedekunst unkundiger Verkäufer? „Wenn Sie zu einem berühmten Chirurgen gehen, wollen Sie auch nicht von der Dame an der Rezeption operiert werden – eh?!“
 
Und so parken im Lauf dieses einen Tages, an dem Lucio Stefani ein großes Küchenmesser schmiedet und wetzt, allerlei Wagen unter den Pinien am Tor. Ein Bauer kommt und bittet, seinen Zaun zu reparieren; eine Dame mit großer Sonnenbrille lässt sich wegschicken, weil das Eisen geschmiedet werden muss, so lange es heiß ist.  
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